FREI
Geliebter,
ich habe dich losgelassen;
gerade die letzten Tage.
Bilder zersprangen in meinem Kopf,
Bilder von mir,
von dir,
von uns.
Neu hat sich Alles formiert.
Freude kam auf,
aber auch Angst.
Die Welt wird immer einfacher
und klarer.
Noch nie habe ich dich so gesehen
wie heute;
noch nie habe ich mich so gesehen
oder uns.
Ich sehe dich immer klarer -
vielleicht sehe ich dich heute zum ersten Mal?
und nie warst du mir näher;
nie war irgend jemand mir näher
als du es jetzt bist.
Kann ich dich deswegen so einfach loslassen?
Oder bist du mir so nah, weil ich dich losließ?
Wer weiß das schon;
es spielt auch keine Rolle...
Ich trage dich in mir,
Nie zuvor habe ich dich so nah heran gelassen.
Wo wird das wohl hinführen?
Ich weiß es nicht;
und es spielt auch keine Rolle...
Nichts kann im Außen geschehen,
was mich dir fern fühlen ließe.
Geliebter,
ich lasse dich los,
immer weiter,
bis kein einziges Bild mehr zwischen uns steht;
von mir,
von dir,
von uns.
Ich lasse dich los,
bis nichts mehr zwischen uns ist;
bis wir uns nur noch nackt und frei
gegenüberstehen;
bis wir uns ohne Masken
durch die Augen des Anderen
selber sehen;
und uns im Gegenüber
in den Tiefen unserer Seelen
selbst begegnen.
Geliebter,
ich lasse dich los,
weil ich dir nur so begegnen möchte,
und selbst nur so begegnet werden will.
(FREI - kathrin galm - 12.06.2013)

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